Hej,
nach dem gestrigen Höhepunkt fällt mir das Schreiben schwer, ich versuche es dennoch.
Wir haben die Nacht auf dem Nordkapplatteau gut verbracht, wenn auch der Wind hörbar um unseren Bus pfiff. Das erste Tageslicht war dann im Norden wahrzunehmen, vermutlich weil Richtung Osten Berge das Licht noch abgeschirmt haben. Kurz nach 9:00 kamen dann auch schon die ersten Touristenbusse und wir haben das Weite gesucht und sind Richtung Honningsvåg losgefahren. Rückblickend betrachtet war unser Timing richtig, wir hatten gestern eindeutig das bessere Wetter, heute konnte sich die Sonne nicht durchsetzen.
Im Hafen von Honningsvåg lag die „Aida Sol“ vor Anker, von daher stammten also die Touristen die uns den Aufbruch vom Nordkap erleichtert haben. In Honningsvåg haben wir nach Längerem mal wieder ein atmosphärisch schönes Café gefunden, „Honni Bakes“ – der Name hat nicht, wie man denken könnte, mit Honig zu tun. „Honni“ ist einfach die liebevolle Abkürzung, der Kosename von Honningsvåg. Der nette Besitzer Abdoulaye Bah macht sehr leckeres Gebäck und auch Schokolade. Während unseres Besuchs ist ihm dann aber, weil er kurz abgelenkt war, der zu karamelisierende Zucker verbrannt, woraufhin er schnell den rauchenden Topf vor die Tür stellen musste. Solltet ihr dort vorbeikommen, das Café ist in jedem Fall einen Besuch wert. Es befindet sich gleich gegenüber dem Nordkappmuseet.
Das Nordkappmuseet ist zwar klein, aber interessant. Es konfrontierte uns – wieder einmal und das ist gut so – mit der Besetzung Norwegens durch Nazideutschland. Am 28.10.1944 gab Hitler den Befehl, dass nahezu 50.000 Menschen binnen zwei Wochen die Finnmark verlassen und sich in südlichere Regionen Norwegens begeben mussten. Auch die Bewohner von Honningsvåg. Anschließend wurde von der deutschen Armee die Infrastruktur, die Fabriken und Häuser der Menschen in der Finnmark zerstört, damit der vorrückende Rote Armee „keinerlei Unterbringungs- und Existenzmöglichkeiten überlassen werden“ – die berüchtigte Taktik der verbrannten Erde. Bereits im Sommer 1946 kehrten die ersten Menschen zurück und begannen mit dem Wiederaufbau. Eine kuriose Wendung der Geschichte ist, dass der Schiffsgenerator des zerstörten deutschen Kriegsschiffes „Tirpitz“ ab 1951 zur Energieversorgung von Honningsvåg eingesetzt werden konnte.
Von Honningsvåg aus fuhren wir dann wieder zurück nach Olderfjord. Diesmal jedoch nicht bei Sonnenschein, sondern bei Schneetreiben. In Olderfjord haben wir die Strecke, die wir schon bei der Fahrt zum Nordkap befahren haben, verlassen und fuhren nun nach Westen Richtung Hammerfest weiter. Auf der Route mussten wir die Kvalsundbrua – eine Hängebrücke ähnlich der Golden Gate Bridge, überqueren. Am späten Nachmittag haben wir unser Tagesziel erreicht. Uns fällt die Umstellung von Natur auf Stadt schwer, es wird dauern. Ein kleiner Trost: unser Stellplatz liegt direkt am Meer.
Um unseren Hunger zu stillen, landen wir in einer Sportsbar, schauen dort auf dem wandfüllenden Bildschirm das Spiel Liverpool gegen Southhampton in der Premier League und essen dazu Pizza, belegt nach norwegischen Gusto (Ananas 🙂 ). Morgen Vormittag steht Sightseeing auf dem Programm und danach fahren wir weiter nach Alta. Für die Strecke benötigen wir gerade einmal zwei Stunden Fahrzeit, wir können uns also Zeit lassen.
















Tipp zu Alta: Die Nordlichtkathedrale (Nordlyskatedralen Alta kirke).
Zur Kathedrale gibt es zwei nette Geschichten:
* 12 Bilder mit den Symbolen der christlichen Apostel hängen dort, meist durch lokale Spender finanziert. Das Bild des Judas, symbolisiert durch Schwingen wurde durch eine örtliche Anwaltskanzlei gestiftet – wie treffend! 😊.
* Anstatt eines Kreuzes hängt hinter dem Altar eine wundervolle, moderne, 2 Tonnen schwere Bronzestatue Christus‘. Sie stammt von einem italienischen Künstler, wurde dort gefertigt und per LKW nach Norwegen gebracht. Als der Transport-LKW die Grenze von Finnland nach Norwegen überqueren wollte, wurde das Fahrzeug von den Zöllnern auf Herz und Nieren überprüft. Natürlich fanden sie etwas, das nicht in Ordnung war und hielten den LKW zwei Tage lang fest. Die Zeitungen berichteten dazu mit der Schlagzeile: „Jesus die Einreise nach Norwegen verweigert!“.