Hej,
wir konnten die letzte Nacht auf dem Parkplatz vor der Lodge verbringen und haben nach den Anstrengungen der Hundeschlittenfahrt sehr gut und fest geschlafen. Am Morgen offenbarte sich dann eine unberührte tief verschneite Winterlandschaft um unsere Wohnhöhle herum. Trotz der auf den Bildern wahrnehmbaren Kälte hatten wir es wie gewohnt kuschelig warm.
Bevor die heutige Fahrt beginnen konnte, mussten wir allerdings erst den vom Schneepflug vor der Ausfahrt angehäuften Schneewall wegschaufeln. Mit unseren eigenen Schneeschaufeln, die wir auch vorsorglich dabei hatten. Zum Glück; auch weil es in Norwegen Pflicht ist, im Winter eine Schneeschaufel mitzuführen!
Dann ging es die heute Morgen schon einmal geräumte aber mittlerweile wieder gut eingeschneite Landstraße (Fv161) in Richtung der E6. Die Begegnung mit dem Schneepflug machte mich um die weitere Erfahrung reicher, nicht in eine kleine Hofausfahrt auszuweichen, in der wir fast stecken blieben. Besser wäre es gewesen, einfach stehen zu bleiben. Denn der Schneepflug fährt in solchen Fällen bis zur nächsten Ausweichstelle rückwärts und lässt Autofahrer anschließend vorbei.
Die E6 sind wir dann über Bjerkvik – letzte Einkäufe in Norwegen – weiter nach Süden gefahren um einige Kilometer vor der Hålogalandsbrua (wieder so ein tolles Brückenbauwerk) auf die E10 abzubiegen. Kurz vor Erreichen der Grenze zu Schweden hat uns eine Infotafel darüber informiert, dass die E10, beginnend in Å auf den Lofoten bis zur norwegischen Reichsgenze, den Namen Kong Olav’s veg trägt. Die Tradition Verkehrsverbindungen nach Königen zu benennen hat eine lange Geschichte. „Mit Gesetzen und Straßen wollen wir das Land aufbauen“ sagte schon König Magnus Lagaboter im Jahre 1274. Hätten wir das schon vorher gewußt wären wir vielleicht andächtiger gefahren.
Mit der Überquerung der Grenze änderte sich auch die Farbe der Fahrbahnbegrenzungs- und Schneepflugorientierungsstangen von rot auf neongelbgrün – dauert bis sich die Augen an diese giftige Farbe gewöhnen – und gefühlt fehlte uns an einigen Stellen der Route der in Norwegen öfters eingesetzte Streusplit (dazu gleich mehr). Werbetafeln entlang der Fahrstrecke versprachen uns eine Essensmöglichkeit in Björkliden, einem großem Skigebiet neben der E10 mit einer Skihütte die laut Google Maps ganz ansehnlich zu sein schien.
Wir verließen also die E10 und hatten einen langen Anstieg vor uns. Auf halber Strecke stellte sich heraus, dass der Hochtrieb schwächer als der Abtrieb war, denn es fehlt der norwegische Streusplit! Also fuhren wir wieder rückwärts runter bis kurz vor die Einmündung der E10 und suchten nach einer Lösung: Würden wir für die Möglichkeit in einer urigen Hütte etwas Leckeres zu essen zu bekommen, Schneeketten aufziehen wollen oder lieber nicht? Neben Stahlschneeketten haben wir noch Textilschneeketten, auch Scheesocken genannt, an Bord. Da wir neugierig sind und Schneesocken noch nie eingesetzt hatten, haben wir diese montier. So ging es dann tatsächlich problemlos die Straße hinauf bis zum Parkplatz der Talstation. Nach einem 10-minütigen Fußmarsch haben wir die Skihütte erreicht. Aber Überraschung – ein Schild verriet uns: Stängt (Geschlossen)! 🤬 Also blieb uns nichts weiter übrig, als wieder hinunter zu fahren, die Schneesocken auszuziehen und in Richtung unseres heutigen Ziels Abisko zu fahren.
Die Route über Abisko haben wir gewählt, weil dies der trockenste Ort in ganz Schweden und daher die Wahrscheinlickeit eines wolkenlosen Himmels sehr hoch ist. Leider war dies aber heute nicht der Fall. Polarlichter werden wir daher voraussichtlich heute Nacht nicht sehen können. Morgen wollen wir in den Abisko Nationalpark reinlaufen und hoffentlich auch das Panorama von Lapporten – einem imposanten Trogtal im Gebirgszug – sehen. Abisko liegt unmittelbar am Torneträsk, einem großen See, der momentan total zugefroren ist. Er trägt nicht nur uns sondern auch Skidoos und deren vollbeladene Anhänger. Es muss hier also bereits seit längere Zeit ziemlich kalt sein. Gerade pfeifft uns ein gefühlt -20°C kalter Wind um die Ohren. Das ist ungemütlich, weshalb wir uns doch lieber in unserer kuschelig warmen Wohnhöhle verkriechen.

















Ja, Sonntag = stängt. Das kennt Ihr doch wohl schon von der Fahrt Richtung Norden, oder?
Schneesocken klingen interessant. Bisher hatte ich mich meist mit kurzen Socken, langen Socken, Trekkingsocken und Wintersocken beschäftigt. Sind die Dinger denn nicht sehr kalt? Aber vielleicht trägt man bei -20°C heute so etwas 😉
Nachdem Ihr jetzt kuschelige Wohnhöhlen gewohnt seid, werde ich Doro bitten, zuhause schon mal kräftig einzuheizen, hahaha!
Eure Reisekasse scheint ja geradezu üppig gefüllt, da Ihr Euch Einkäufe in Norwegen leisten könnt.
Wie bestreiten die Eingeborenen eigentlich bei diesen Temperaturen ihr Tagwerk, bei der dort fortschreitenden E-Mobilität?
P.S.: Dies ist ja gerade in Norwegen „greenwashing“ at it’s best: Förderung einer „grünen“ E-Mobilität mit den großartig sprudelnden Einnahmen aus schmutzigem Öl- und Gasgeschäft …
Hej Günter, gestern war bei uns Samstag, weiß nicht wo Du Ski fährst! Deshalb verfängt Dein Einwand nicht. Für ne Packung Müsli langt die Reisekasse, auch in Norwegen ;-).
Ja und allerorten E-Autos und Wärmepumpen 🙂
Samstag, Sonntag … egal. Wochenende in Schweden = Vieles ist „stängt“ 🙁
Wärmepumpen? Warum ist’s dann so kalt bei Euch?